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Fotobücher noch fertigstellen!

„The Practice of Contemplative Photography“ Andy Karr & Michael Wood

Draussen regnet es. Sehen wir die Regentropfen, die das Glas herunterlaufen, die Reflexionen in den Pfützen, die bunten Farbtupfer einzelner  Regenschirme – oder sehen wir nur “schlechtes Wetter”? Mit diesen Gedanken beginnt das Buch. Mit den endlosen Möglichkeiten

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Fotobücher noch fertigstellen!

Vivian Maier – Street Photographer

Habe mir nun endlich das Buch über Vivian Maier zugelegt. Was soll man sagen? Beeindruckend. Die Bilder sind wie Geoff Dyer in seinem Vorwort sagt „visuelle Echos“ für uns. Da Vivian Maier zu ihren Lebzeiten keine Bilder publizierte, konnte sie nicht „stilbildend“ wirken. Wir reflektieren ihre Bilder an anderen Zeitgenossen und fragen uns, ob sie von deren Werk wusste.
Aber – egal. Die Bilder haben ihre eigene Qualität und brauchen keine anderen als Referenz. Jedes mal, wenn ich das Buch zur Hand nehme fallen mir neue Dinge auf. Details, Blickwinkel – immer wieder ein Vergnügen.

Hinzugefügt April 2015:
Links zu Vivian Maier:
Vivianmaier.com
artsy.net

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Fotobücher

Zweimal John Szarkoswky

John Szarkowsky (1925-2007) war Kurator am Museum of Modern Art und Fotograf.

„The Photographer’s Eye“ erschien erstmals 1966 und bezieht sich auf eine von Szarkowsky 1964 kuratierte Ausstellung im MoMA. Die Zeitlosigkeit des Inhalts erkennt man vielleicht schon daran, dass 2009 die vierte Auflage erschienen ist. Das Studium der photographischen Form muss – in den Augen des Autors – die „fine art“ Tradition  und die funktionale Tradition als eng voneinander abhängige Aspekte einer einzigen Geschichte betrachten.  Das fundamental neue und andere in der Photographie im Gegensatz zur Malerei zeigt sich in der – leider kaum übersetzbaren – Formulierung „paintings were made but pictures were taken“. Die technisch immer leichter zu handhabende und immer preiswertere Photographie brachte es mit sich, dass auch immer scheinbar(!) belangloseren Dingen und Menschen fotografische Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Erst seit gut 100 Jahren weiß auch der „einfache“ Mensch wie seine persönlichen Vorfahren ausgesehen haben!

Szarkowsky gruppiert die Werke in seinem Buch nicht in zeitlicher Reihenfolge, sondern nach fünf Aspekten, die „die Photographie“ charakterisieren und ein Teil ihres spezifischen Vokabulars darstellen:

  1. „das Ding an sich“
  2. das Detail,
  3. der Ausschnitt
  4. die Zeit
  5. der Aufnahmestandpunkt

Zu 1: die Photographie verändert die Wahrnehmung. Der Fotograf muss nicht nur sein Motiv sehen, er muss sehen, wie sein Motiv auf dem Foto aussehen wird.

Zu 2: Das Foto „erzählt“ keine Geschichte. Es dokumentiert Situationen, deren Zustandekommen der Betrachter mit einer „Geschichte“ erklärt. Indem das Foto Details in den Fokus rückt, weißt es ihnen eine besondere Bedeutung zu, die der Betrachter interpretiert. Wenn Bilder schon nicht als Geschichten gelesen werden können, dann können sie als Symbole gelesen werden.

Zu 3: Der vom Fotografen gewählte Ausschnitt begrenzt die Welt, erzeugt aus dem Kontinuum ein „innen“ und „aussen“. Durch die Wahl des Ausschnitts werden Objekte neu zueinander in Beziehung gesetzt. Für den Fotografen wird die Welt zu einer unendlichen Folge von Ausschnitten (oder Kompositionen).

Zu 4: Es gibt keine „Moment-„Aufnahme. Jedes Foto hat eine endliche (längere oder kürzere) Belichtungszeit. Und es beschreibt nur, was exakt während dieser Zeit geschah. Hierher gehört auch der „entscheidende Moment“ Henry Cartier-Bressons: nicht unbedingt der Höhepunkt einer Situation, sondern der Moment, in dem sich der Fluss aus Formen und Muster zu Balance, Klarheit und Ordnung findet: aus einer Aufnahme wird ein Bild.

Zu 5: Selten kann der Fotograf sein Motiv bewegen, um es ideal aufzunehmen. Meist muss sich der Fotograf bewegen. Er fotografiert von oben, von unten, oft gezwungener maßen zu nah oder zu weit. Dennoch kann er eventuell nicht alles zeigen oder nur aus einer ungünstigen Blickrichtung.

 

„Looking at Photographs“ präsentiert 100 Bilder aus der Sammlung des MoMA. Das Buch begleitete eine Ausstellung von 1973 und ist 2009 in der 8. Auflage erschienen. Das erste Ziel des Buches ist „delection“ wie der Autor im Vorwort schreibt – und diese ist definitiv garantiert. Nicht nur wegen der Bilder aus der gesamten Zeitspanne der Fotografie, sondern auch und besonders wegen der unterhaltsamen, pointierten und informativen Texte, die jedem einzelnen Bild beigestellt sind. So ist das Werk nicht nur eine an den Bildbeispielen festgemachte Kunstgeschichte des Mediums, es ist auch und mehr noch eine Schule des Sehens.

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Ausstellungen

Neapel und der Süden – Pinakothek der Moderne

Bis 26.2.2012 ist in der Neuen Pinakothek noch die Ausstellung „Neapel und der Süden – Fotografien 1846 bis 1900 /Sammlung Siegert“ zu sehen. Wenn man bedenkt, dass die erste Photographie von Niepce im Jahre 1827 angefertigt wurde und das verbesserte Verfahren 1837 von Daguerre  stammt, kann man ermessen, mit welcher Geschwindigkeit das Verfahren sich ausbreitete. Viele verschiedene Methoden kamen zum Einsatz und die Ausstellung bietet dem Phototechnik-Fan einen guten Überblick und unmittelbaren Vergleich. Neapel war damals im touristischen Pflichtprogramm der „Grand Tour“ und die Bilder dienten sehr früh schon als beliebtes Souvenir. Schon damals wurden die gleichen Klischees bedient, die auch heutige Touristen mit dem Süden Italiens verbinden: traumhafte Landschaften, naive Sinnlichkeit, Kleinkriminalität und Spaghetti.

Zur Verbreitung des Klischees dienten häufig inszenierte „Straßenszenen“.

Ganz in der Tradition der Postkartenfotografie steht eine Ansicht des Cafes „Zum Kater Hiddigeigei“(!) auf Capri von Giorgio Sommer (1880). Dieser aus Frankfurt zugezogene Fotograf betrieb eines der wichtigsten Fotostudios in Neapel, von ihm stammt auch der Hauptteil der Exponate.

Für mich viel beeindruckender sind die dokumentarischen Aufnahmen Palermos nach der Einnahme durch die Truppen Garibaldis, eine Bildsequenz vom ausbrechenden Vesuv und schließlich Fotos von den Zerstörungen nach dem Erdbeben 1883 in Casamicciola/Ischia. Ein Schmankerl am Rande: ein Foto der Seilergrotte in Syrakus um 1870 von Giorgio Sommer – fast der gleiche Ausschnitt des selben Motivs ist derzeit zeitgleich nur wenige hundert Meter weiter in der Ausstellung von Renger-Patzsch in der Pinakothek der Moderne zu sehen!

Zur Ausstellung ist ein Katalog beim renommierten Verlag Hatje Cantz erschienen. Leider bringen – trotz anerkannt guter Druckqualität – die Bilder darin den Charme der Originale überhaupt nicht wieder. Man hätte hier auf das glänzende Druckpapier verzichten müssen.

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Fotobücher

Carl Strüwe – Mikrofotografie als Obsession

Über den – ausgesprochen interessanten – Blog von Timm Starl bin ich auf das Buch „Mikrofotografie als Obsession“ über das fotografische Werk von Carl Strüwe aufmerksam geworden. Die von Gottfried Jäger verfasste Arbeit ist ursprünglich seine Dissertation (manchmal merkt man das auch recht deutlich an einer gewissen sprachlichen Sperrigkeit). Andererseits bietet das Buch einen umfassenden Überblick über das Werk Strüwes (1898 – 1988), nicht nur seine Mikrofotografie, sondern auch seine Bilder zum Themenkomplex Hohenstaufen in Italien, seine Reisebilder aus Nordafrika, wie auch seine Grafiken, Zeichnungen und Gemälde.

Faszinierend sind aber vor allem die Mikrofotografien, die der Fotograf selbst auch jenseits der puren Dokumentation sieht und durch seine Betitelung zeigt, dass es ihm um die Darstellung von Wirklichkeiten jenseits des unmittelbaren Sujets geht. Es sind „Urbilder“ – ein Begriff, den der Fotograf selbst immer wieder verwendet. Hier helfen auch die weitergehenden Erläuterungen Gottfried Jägers, der zum einen das Werk des ihm persönlich gut vertrauten Künstlers in einen weiteren Kontext stellt, gleichzeitig aber auch das Ringen des Fotografen um Anerkennung seines Werkes.

Das Bedauern, dass der Band nicht mehr großformatige Abbildungen des Fotografen enthält, wird allerdings mehr als kompensiert durch das vollständige Werksverzeichnis, das alle(!) Bilder, wenn auch nur im Kleinformat, enthält.

 

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Ausstellungen Fotobücher

Über Bäume und Gestein – Albert Renger-Patzsch in der Pinakothek der Moderne

„Über Bäume und Gestein, Albert Renger-Patzsch und Ernst Jünger, Stiftung Ann und Jürgen Wilde“ – Pinakothek der Moderne, bis 26. Februar 2012

Im gleichen Stockwerk der Pinakothek der Moderne dann noch ein Klassiker: Alfred Renger-Patzsch. Die beiden Werkgruppen „Bäume“(1962)  und „Gestein“(1966) hängen so versteckt, dass selbst die Dame an der Infothek erst längere Zeit ihren Raumplan studieren musste, bis sie mir den Weg weisen konnte. Die kleine Suche hat sich aber definitiv gelohnt. Zu sehen sind zu jeder Werkgruppe jeweils etwa ein Dutzend feine Schwarz-Weiß-Prints aus der Sammlung Ann und Jürgen Wilde, begleitet von Dokumenten, etwa Auszügen aus dem regen Schriftwechsel zwischen Renger-Patzsch und dem Schriftsteller Ernst Jünger.

Die beiden Bildserien stellen das Alterswerk des als Industriefotograf der „Neuen Sachlichkeit“ berühmt gewordenen Künstlers dar. Die Serie „Gestein“ erschien 1966 – dem Todesjahr Renger-Patzschs. Es sind kraftvolle Bilder, in denen sich der Fotograf auf die Suche nach dem Wesen „des Baumes“ und „des Gesteins“ macht. Mit einem – vielleicht typisch Deutschen – Ansatz sucht er bei der Gesteinsserie nach möglichst beispielhaften Sedimenten, Metamorphiten, Magmatiten usw. ohne dabei aber den künstlerischen Anspruch aufzugeben. Im besten Sinne dokumentarisch könnten die Bilder ein geologisches Lehrbuch illustrieren – gleichzeitig vermitteln sie aber auch die monumentale und zeitlose Kraft, die von den Sujets ausgeht.

„Das „Gestein“ wird wohl meine letzte größere Arbeit gewesen sein“, schreibt Renger-Patzsch an Ernst Jünger. „In diesen und den „Bäumen“ habe ich gewissermaßen die Summe meiner Existenz gezogen.“

 

Im Nachgang habe ich mir antiquarisch das Originalbuch „Gestein“ gekauft. Eine Augenweide, egal, ob man die Bilder nun mit dem Blick des Geowissenschaftlers betrachtet, oder mit dem des Fotografen. Und der Text von Ernst Jünger gehört zum brillantesten und intelligentesten was ich zu diesem Thema je gelesen habe.

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Ausstellungen

Sabine Hornig – Durchs Fenster — Pinakothek der Moderne

Im ersten Stock der Pinakothek der Moderne befinden sich derzeit großformatige Arbeiten der 1964 geborenen Berliner Fotografin Sabine Hornig. Die von ihr 2001 begonnene Werkgruppe zeigt Schaufenster leerstehender Berliner Läden, die im Format 1:1 dem Betrachter entgegentreten. Die spiegelnden Glasoberflächen der Werke verstärken dabei den Trompe-l’oeil-Charakter. Der Besucher wiederholt gleichsam die Position der Künstlerin und findet sich in einem vielschichtigen Raum aus außen und innen aber – indem er sich auch selbst in den Schaufenstern/Bildern spiegelt – auch aus Vergangenheit und Gegenwart. Bei genauer Betrachtung steht gelegentlich die Urheberin der Werke neben dem Betrachter… Mein persönlicher Favorit ist das sehr subtile „Nr. 12 / No.12 2009“ (Ausstellung 27.11.11 – 26.2.12)

 

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Allgemein Ausstellungen

ParisPhoto – 2011

Zwei Tage in Paris – ausschließlich der Bilder wegen.

Für Paris – und besonders die Messe ParisPhoto – steht sogar ein Langschläfer wie ich schon mal um 4 Uhr früh auf. Dass sich die Anreise wegen Nebel in Paris und Gleisbauarbeiten bei der RER dann deutlich verzögert, weiß man um 4 zum Glück noch nicht. Steht man dann endlich um 14 Uhr vor dem Grand Palais und sieht die enormen Warteschlangen am Eingang ist man über die vorab via Internet gekauften Tickets mehr als froh (Danke Walter!). Also vorbei an der Schlange (Wartezeit über 1,5 Std.) und rein ins Kunstvergnügen. Alleine der Veranstaltungsort beeindruckt mit seiner filigranen Stahl-Glas-Dachkonstruktion. Aber nicht nur „nach oben“ ist die Messe deutlich luftiger als im Vorjahr. Der Wechsel vom Louvre in das Grand Palais hat sich in jedem Fall gelohnt.

Die ausstellenden 135 Galerien und Verleger stellen eine tour de force durch die Fotokunst von den Anfängen bist zur Gegenwart dar. Wo sonst kann man schon den „alten Meistern“ wie Atget, Sander oder Cartier-Bresson so nahe kommen – und davon träumen eines ihrer Werke mit nach Hause zu nehmen (wenn der Geldbeutel nicht gerade ein Loch hätte). Beeindruckend das bei vielen Galerien präsente Thema der diesjährigen Messe: Afrika. Zumindest von meiner Seite bislang sträflich unterschätzt.

Einfach schön: „Acqua“ – die Sonderausstellung des Hauptsponsors Armani.

Ein eigener Bereich war dem Thema Photobuch gewidmet. Hier stand die Neuauflage des Klassikers von Ed van der Elsken „Love on the Left Bank“ (Dt.: Eine Liebe in Saint Germain des Pres“; 1956) durch den Verlag Markus Schaden im Mittelpunkt. Begleitet wurde sie von einer großen Ausstellungswand mit einer Collage aus Bildern und Texten des Buches.

Generell habe ich den Eindruck, dass die riesenformatigen Alu-Dibond-Bilder deutlich abgenommen haben und wieder mehr Wert auf klassische Rahmung und Passepartouts gelegt werden. Und Schwarzweiß ist alles andere als tot. Zwei persönliche Highlights: die „Last Meal“-Serie von Mat Collishaw und das Zusammentreffen mit William Klein bei seiner Signierstunde an der Galerie Le Réverbère. Nachdem ich vor ein paar Wochen seine Bilder vom Rom der 60er Jahre im Maison européenne de la Photograpie (www.mep-fr.org) gesehen habe, hat das zugehörige Buch nun mit persönlicher Widmung natürlich einen Ehrenplatz.

Am nächsten Tag dann noch zur „nofound_photofair“. Diese Messe präsentierte 43 Galerien und fand zum ersten Mal in einer umgewidmeten Großgarage im Stadtviertel Marais statt.

Im Vergleich zur „großen“ ParisPhoto waren hier sowohl inhaltlich als auch von der Präsentation her überwiegend weniger etablierte und dafür frischere Sichtweisen zu sehen. Auch das Publikum war im Schnitt deutlich jünger. Schön, hier auch eine Münchner Galerie zu finden: die Micheko-Galerie zeigte einige Werkgruppen der von ihr vertretenen Künstler (u.a. Tomohide Ikeya; www.micheko.com )

DIE Entdeckung für mich war aber am Stand gegenüber: die Serie „Timequakes“ von Sabine Pigalle bei der Galerie Louise Alexander. Eine ungeheuer beeindruckende Präsentation von Portraits (beeinflusst von der Malerei des 16. Jhdt. und dem Erdbeben in Japan im März dieses Jahres; www.sabinepigalle.com )

Bei einer Reihe anderer Galerien fühlte man sich eher in eine Freak-Show versetzt. Foto-Kunst ist halt ein weites Feld.

Der Rest des Tages bis zum Abflug stand unter dem Zeichen noch einige Galerien in Saint Germain des Pres zu besuchen. Das Viertel ist so etwas wie das gelobte Land des Photo-Galerie-Flaneurs: etwa 40 Galerien auf engstem Raum (www.photo-saintgermaindespres.com). Mein persönliches Ziel: die Galerie Patrice Trigano. Dort wartete die Ausstellung „Lucien Clergue et les poètes“. Danach passte wirklich kein einziges Bild mehr in meinen Kopf. Abflug. Bis nächstes Jahr.

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Ausstellungen

Karl Hubbuch und das Neue Sehen im Stadtmuseum

Bis 4. März 2012 läuft im Münchner Stadtmuseum noch die Ausstellung „Karl Hubbuch und das Neue Sehen“.

Gezeigt werden 170 Fotografien, Grafiken und Gemälde dieses Künstlers (1891-1979), der bisher zwar als Maler und Zeichner der „Neuen Sachlichkeit“ der Zwanziger Jahre bekannt war, aber kaum als Fotograf.

Das Stadtmuseum ist im Besitz des Großteils des fotografischen Nachlasses (ca. 600 Negative und 100 Originalabzüge). Quantitativ als „Lebenswerk“ ist das eher schmal (betreten denkt man daran, wie viele Bilder man allein dieses Jahr schon in Lightroom archiviert hat). Qualitativ sind die gezeigten Bilder aber allemal einen Besuch im Stadtmuseum wert. Insbesondere die Gegenüberstellungen von gezeichneten/gemalten Werken und Fotografien sind hochinteressant. Auch die Studio- und Freilandaufnahmen mit seinen Modellen geben sehr viel Einblick in das Zeitgefühl und Selbstverständnis dieser Epoche. Weniger beeindruckend empfand ich (mit einigen Ausnahmen) die Städteaufnahmen aus Karlsruhe, Trier und Paris. Sie dokumentieren eher, dass andere Fotografen hier einen klareren und konsequenteren Weg gegangen sind. Dies wird besonders offensichtlich durch den unmittelbaren Vergleich, den die in die Ausstellung integrierte „Kabinettsausstellung“ mit Werken anderer Fotografen aus der gleichen Zeit (Sander, Eisenstaedt, Atget, u.a.) aus den Beständen des Stadtmuseums ermöglicht.

Fazit: Auf einige Bilder hätte man getrost verzichten können, dennoch unbedingt sehenswert.

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Ausstellungen Fotobücher

Incedibile -Unglaublich

Samstag im Münchner Stadtmuseum – und das auch noch bei freiem Eintritt.

„Incredibile – Unglaublich“ ist die Begleitausstellung zum diesjährigen Fotodoks-Festival (das vom 12.-16. Oktober stattgefunden hat). Der italienisch-deutsche Titel verweist auf das diesjährige Gastland des Festivals Italien.

Im offiziellen Text zur Ausstellung heißt es: Die präsentierten Arbeiten bewegen sich zwischen Sozialreportage, Fotojournalismus und Medienreflexion, zwischen entfernten Krisenregionen und der unmittelbaren Umgebung. Sie beleuchten das Zeitgeschehen, wie auch den alltäglichen Wahnsinn – und ermöglichen so einen Blick auf die Dokumentarfotografie im Spannungsverhältnis von Glaubwürdigkeit und Sensation.

Ich habe den Fehler gemacht, beim Betreten der Ausstellung das Informationsblatt zu übersehen, das unscheinbar neben der Tür auflag (das zeitgleich aber wohl einige andere Besucher ebenfalls übersehen hatten). So fand man an den Wänden praktisch überhaupt keine Info zum jeweiligen Projekt. Grundsätzlich ist es natürlich auch interessant, den Bildern auf diese Weise ohne „Vorinformation“ zu begegnen (ok. einige Bildstrecken kannte ich schon…). Vieles erschließt sich aber halt doch erst nach einer gewissen Zusatzinformation. Im wahrsten Sinne des Wortes incredibile ist das Engagement, das die Bildautoren ihren Themen entgegenbringen. Als Betrachter gewinnt man allerdings auch einen sehr speziellen Eindruck welche Themen als Ausstellungsrelevant angesehen werden: Da dreht es sich doch ganz überwiegend um vom Krieg gezeichnete Menschen und Orte, Verbrechen, Naturkatastrophen und soziale Problemsituationen. Wie gesagt, die fotografische Aufarbeitung der Themen ist häufig beeindruckend (Kai Wiedenhöfers sensible Großportraits von Kriegsopfern, Alberto Dede’s Bildvergleich von L’Aquila in dem er Bilder aus Google-Streetview seinen heutigen Bildern entgegensetzt). Dennoch gibt es neben diesen Themen vielleicht doch auch noch anderes auf dieser Welt, was dokumentierenswert ist. Und so ist auch mein Favorit dieser Ausstellung die Serie von Maurizio Cogliandro, der uns in extrem zurückhaltenden, reduzierten Bildern das Leben in einem Zisterzienserkloster in den italienischen Alpen nahebringt.

Ein ganz eigenes Kapitel ist der zur Ausstellung erschienene Katalog: Der ist nun wirklich „unglaublich“:

Der schmale Textteil (dt./ital.) ist als Extraheft fein säuberlich von den Bildern getrennt.

Im „Bildkatalog“ sind die Werke der Ausstellung dann ohne jede sinnvolle Reihung wild durcheinander und natürlich auch ohne Autorennennung „eingefüllt“. Als Klammer zu Beginn und Ende dient jeweils eine Doppelseite auf der in Blocklettern „Bunga“ steht. Bilder von Krieg und Opfern der Camorra zwischen Bunga-Bunga einzurahmen ist nicht originell sondern einfach nur geschmacklos. Aber die Katalogmacher haben dafür jede Seite vorperforiert, damit man die Bilder leicht aus dieser misslichen Lage befreien kann.  Man kann dann die Bilder heraustrennen und wieder zu ihren ursprünglichen Serien zusammensetzen (sofern man 2 Kataloge gekauft hat…). Manchmal muss man halt zwanghaft originell sein. Incredibile.